Blickpunkt Nottuln
04.02.2026
Blickpunkt Nottuln
Es ist gut, Orte zu finden, an denen man für eine gewisse Zeit wieder zur Ruhe kommt, so wie auf Möllerings Hügel hinter den Berkelauen von Billerbeck
Blickpunkt Nottuln
Die Inschrift im Fundament des Kreuzes von A. Kolping
Blickpunkt Nottuln
Ein älteres Bild, beide Baumriesen standen hier damals noch und bildeten eine schützende gemeinsame Krone

Ohne Glauben und Vertrauen hält die Welt nicht zusammen

Stiller Ort hinter den Berkelauen von Billerbeck

Wir geben es zu: Momentan ist es nicht einfach, seinen Glauben und sein Vertrauen zu bewahren. Denn Machtmissbrauch, und das nicht nur weit weg in Amerika, Russland oder anderen Ländern, sondern selbst vor Ort, macht es einem nicht gerade leicht. Da verletzen verantwortliche Politiker und politische Beamte die Grundregeln der Demokratie und stellen sich anschließend noch als Unschuldsengel in den Medien dar. Doch damit nicht genug: Es wird Geld in einem Maße ausgegeben, obwohl es einem selbst nicht gehört oder man es gar nicht mehr hat. Hauptsache eine finanzielle Förderung für ein neues Projekt wird bewilligt, den "REST" wird man schon irgendwie aufbringen.

Siehe beispielsweise das Wohnprojekt für Azubis in Appelhüsen: Für die veranschlagte Baukostensumme von 1,1 Millionen Euro gab es 79 % Förderung, also rund 869.000 Euro. Doch kurz darauf war zu lesen, dass jetzt ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf von 700.000 Euro zu leisten ist. Die Baukosten stiegen dadurch um zwei Drittel, wie in einem Leserbrief in der WN nachzulesen war. Einen privaten Bauherren würde das in den Bankrott treiben, in der Gemeinde Nottuln macht es bei 20.000 Einwohnern gerade mal 35 Euro pro Kopf aus. Bei einer Familie mit zwei Kindern sind es immerhin schon 140 Euro. Da ist ja noch reichlich Luft nach oben, oder?

Es ist schon erstaunlich, was in der Gemeindeverwaltung Nottuln für ein Aktionismus herrscht, ohne über den nötigen finanziellen Hintergrund zu verfügen. Bereits im Jahre 2024 stieg die Prokopfverschuldung gegenüber dem Vorjahr von 1000 auf 1700 Euro, und das trotz vorzeitiger, empfindlicher Grundsteuererhöhung, bevor die neue gesetzliche Steuerreform 2025 zugriff. Die Grundsteuersätze wurden daraufhin noch einmal von der Gemeinde Nottuln eklatant erhöht (siehe auch Artikel unter: https://dev.nottuln-blickpunkt.de/768-zur-buergermeisterwahl-thema-finanzen-haushalt-hohe-pro-kopf-verschuldung

Jetzt soll auch noch die eigene Heimat, der bedeutende historische Ortskern Nottuln, zugebaut werden. Selbst der letzte freie Platz im Ortskern vor der Alten Amtmannei soll unwiederbringlich verschwinden. Andererseits sollen ein paar Blümchen und Gräser vor den Nonnenbach mit den dahinter liegenden Kurien gepflanzt werden, um das Klima im Ortskern bei sommerlicher Hitze zu verbessern (dafür sollen auch noch ökologisch wertvolle, 50 Jahre alte, schattenwerfende Eiben abgesäbelt werden): Was für ein Widerspruch, was für ein widersinniges, geplantes Handeln. Gerade im Ortskern muss die Luft, der Wind frei zirkulieren können, um seinen Abkühleffekt zu entfalten. Dafür sind die äußerst wenigen freien Plätze im Ortskern und die vorhandenen freien Sichtachsen zwischen den historischen Gebäuden unverzichtbar. Insbesondere der Platz vor der Alten Amtmannei im Ortskern und der in Hauptwindrichtung liegende Rhodepark am Rande des Ortskerns sind die wichtigsten Grundstücke, die frei bleiben müssen! Offensichtlich will hier jemand die wunderbaren nachhaltigen Spuren des erfolgreichen Vorgängers, Gemeindedirektor Josepf Möhlen, verwischen, um sich ein eigenes Denkmal zu setzen.

Da ist es für verantwortliche Menschen gut und wichtig, Orte zu finden, an denen man zumindest für eine gewisse Zeit wieder zur Ruhe kommt, Kraft tanken und Abstand gewinnen kann. Möllerings Hügel hinter den Berkelauen von Billerbeck ist so ein Ort. Unter den Baumkronen mit Blick auf den Dom, ist es möglich, die Gedanken für eine Zeit lang in eine andere Richtung zu lenken.

Ursprünglich standen hier zwei alte, verwitterte Riesen, eine ca. 200 Jahre alte Gemeine Esche und ein ca. 200 Jahre alter Bergahorn, sie bildeten eine gemeinsame Krone. Gepeitscht von Sturm und Regen, hoch oben auf dem Hügel, wuchsen sie nur äußerst langsam und haben so manchen Ast verloren. Selbst der Blitz schlug öfters in ihre Krone ein. Trotzdem, wie der Arm Gottes, legte sich der untere Ast des Bergahorns schützend über das Kreuz.

Das ursprüngliche Kreuz, damals noch mit Korpus, wurde bereits vor rund 400 Jahren auf dem Hügel aufgestellt. An vier Ecken um das Kreuz herum wurden insgesamt vier Bäume gepflanzt. Diese wurden aller Wahrscheinlichkeit nach rund 200 Jahre später erneuert. Grund für die Pflanzung war, dass das Vieh des Landwirts auf dem Hügel immer wieder vom Blitz getroffen wurde. Seitdem schlagen die Blitze in die Baumkronen ein, das letzte Mal vor ein paar Jahren. So bewirken noch heute einer der verbliebenen alten Riesen sowie drei neu gepflanzte Bäume, dass die unter ihnen weidenden Tiere nicht durch Blitze erschlagen werden. Auf dem vor einiger Zeit erneuerten Fundament des Kreuzes findet sich folgende Inschrift von A. Kolping„Ohne Glauben und Vertrauen hält die Welt nicht zusammen“.

Alles in allem ein magischer, ruhiger Ort, an dem man gerne verweilt. Da kann man nur hoffen, dass hier alles so bleibt und nicht jemand auf die verrückte Idee kommt, auch hier ein Windkraftwerk zu errichten. Schließlich reicht aufgrund der erhöhten hügeligen Lage eine weitaus geringere Höhe des Windkraftwerkes aus, um entsprechend Strom zu produzieren, als im Flachland.
Doch Gott sei Dank befindet sich Möllerings Hügel in Billerbeck und nicht in Nottuln. Dort muss endlich etwas Gravierendes, Bedeutsames, Entscheidendes geschehen, will man der Demokratie in Zukunft eine Chance geben und Glauben und Vertrauen der Menschen in Nottuln zurückgewinnen.

Mit besten Grüßen

Ihre Redaktion
Karin und Jürgen Gerhard

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