Jugend muss an die Politik herangeführt werden
Das ist keine Frage, sondern eine Feststellung! Insofern wurde von Politikern und der Gemeinde fast alles richtig gemacht! Einige Wünsche der Jugendlichen wurden durch die Gemeinde bereits erfüllt, wie beispielsweise die Anschaffung eines Containers, in dem sie sich alleine und unbeaufsichtigt von den "lästigen" Erwachsenen entfalten können. Es waren allerdings Wünsche, die von der Gemeinde bei ihrer derzeit hohen Verschuldung noch finanzierbar waren.
Nun steht der Wunsch einer Gruppe Jugendlicher im Raum, eine Skateranlage zu bauen und zu finanzieren, die mit rund einer halben Million Euro zu Buche schlägt. Abzüglich der Förderung verbleibt nach Auskunft des Kämmerers Dominik Bomholt gegenüber unserer Redaktion, ein Eigenanteil von 279.000 Euro bei der Gemeinde Nottuln. Aufgrund der laufenden derzeitigen Kostensteigerung auf dem Bausektor ist es wohl realistisch, bis zum Baubeginn mit einer Verteuerung von mindestens 20 % der veranschlagten Kosten zu rechnen. Außerdem können in der Regel weitere, momentan nicht kalkulierbare Kosten anfallen. Das weiß ein Jeder, der einmal ein Haus gebaut hat.
Wenn ich mich an meine Jugend zurückerinnere, so hatten wir auch so unsere Wünsche, diese waren aber kleiner dimensioniert. Damals war ich Mitglied im Leichtathletikverein und wir liefen unsere Kurzstrecken noch auf einer Aschenbahn. Um einigermaßen vernünftig starten zu können, wünschten wir uns ganz normale Startblöcke. Nach geraumer Zeit des Wartens bekamen wir sie dann auch, da wir bis dato ohne, oder aus selbst gegrabenen Startlöchern, starten mussten. Mit dem Fußball pölten wir übrigens auf Ascheplätzen, das bezeugen noch heute unsere Knie, Gott sei Dank nur optisch.
Doch die Zeit bleibt nicht stehen. Wenn wir uns heute die sportliche und freizeitliche Infrastruktur in Nottuln anschauen, und das mitten im Ortskern, dann bleibt einem erst einmal die Luft weg: Kunstrasenplätze und Tartanbahnen, soweit das Auge reicht, und sogar ein Wellenfreibad. Allein 15 Sportarten können in Nottuln ausgeführt werden, in Schapdetten sogar das Bogenschießen. Wir haben das in unserem "Bildband Nottuln, ein starkes Stück Heimat" entsprechend gewürdigt. Da müsste man eigentlich wunschlos glücklich sein, aber ein Wunsch bleibt immer und der heißt jetzt "Skateranlage".
Doch diese muss erstens finanzierbar sein und zweitens muss die immissionsträchtige Anlage an einem Standort errichtet werden, an dem sie nicht dauernd zu berechtigten Nachbarbeschwerden führt. So einen Standort haben wir in unserer Nachbargemeinde Senden gefunden. Dort wurde in diesem Jahr der Bau einer modernen Skateranlage abgeschlossen. Wir haben sie ausgewählt, damit Sie nachvollziehen können, wie eine vernünftige Planung und Ausführung solch einer immissionsträchtigen Anlage mit Rücksichtnahme auf die Anlieger ausgeführt werden kann. Dabei hat man sich unseres Erachtens nicht auf erforderliche Mindestabstände zur Wohnbebauung zurückgezogen, sondern größere Abstände gewählt und trotzdem bauliche Schallschutz-Maßnahmen umgesetzt. Standortmäßig wurde hier offensichtlich alles richtig gemacht.
Durch die Verfahrensweise bei der Planung und Ausführung der Anlage wird deutlich, dass sich die Gemeinde Senden den sonst zu erwartenden Ärger sowie berechtigte Nachbarbeschwerden und sicherlich auch langwierige, kostenträchtige Gerichtsprozesse ersparen will. Sie setzt offensichtlich mehr auf ein friedliches, konstruktives Miteinander mit ihren Bürgern und beteiligt sie rechtzeitig. In Nottuln hört man seitens der Verwaltung immer öfter: Sie können ja zu Gericht gehen, wenn Ihnen das nicht passt! Leider hat in Nottuln der Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern in den letzten fünf Jahren eine negative Entwicklung genommen.
Bleibt die Frage der Finanzierbarkeit. Doch diese stellte sich in der vergleichbaren Nachbargemeinde Senden mit ebenfalls rund 20.000 Einwohnern erst gar nicht, bzw. konnte recht schnell beantwortet werden. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung in 2024 von gerade einmal 81 Euro ist sie natürlich keinesfalls vergleichbar mit Nottuln. Hier hat sich die Pro-Kopf-Verschuldung von 2020 bis 2025 vervierfacht und beträgt immerhin fast 2000 Euro, das ist rund das 25-fache von Senden.
Der Gemeinderat in Nottuln steht gegenüber den Nottulner Bürgerinnen und Bürgern vor einer verantwortungsvollen Entscheidung, die er demnächst, vielleicht schon am 28. April, treffen wird. Doch Politik ist kein Wunschkonzert, sie muss sich im Rahmen des gesetzlich Machbaren und Finanzierbaren bewegen, das müssen auch unsere Jugendlichen lernen, begreifen und akzeptieren.
Unsere Redaktion wird sich bis dahin mit der Lärm-Immissionsprognose und deren Vereinbarkeit mit der 18. BImschV am vorgeschlagenen Standort auseinandersetzen. Unserem ersten Eindruck nach, scheint hier nicht alles plausibel zu sein. Doch das bleibt einer endgültigen Prüfung und ggf. auch einer Rücksprache und Abklärung mit dem Ersteller vorbehalten.
Wir haben bereits vor Jahren, ein Lärmgutachten einer Plausibilitätsprüfung unterzogen. Damals ging es um die Sportanlage im Nottulner Ortskern und die Frage, ob sie aus immissionsrechtlichen Gesichtspunkten bleiben kann. Der Gutachter sagte Nein! Bei unserer Prüfung, die wir aufgrund der Bitte einer Ratsfraktion durchgeführt hatten, stellten wir aber fest, dass der Gutachter unter anderem vergessen hatte, den Altanlagenbonus mit einzubeziehen. Um es abzukürzen: Es hieß letztendlich, die Anlage kann jetzt doch bleiben. Später wurde noch eine Lärmschutzmauer errichtet, was natürlich absolut sinnvoll ist. Denn selbst bei Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Lärmrichtwerte sind und bleiben die Lärmeinwirkungen von Sportanlagen am Wohnort für die Anlieger störend, insbesondere die impulshaltigen, kurzen Lärmspitzen, die typischerweise gerade auch bei Skateranlagen auftreten. Das sollten die Ratsmitglieder mit in ihre Entscheidung einfließen lassen, auch wenn sie selbst nicht an einer solchen Anlage wohnen. Langjährige Erfahrungen diesseits sind ja, wie bereits angeführt, durchaus mit den Nottulner Sportanlagen im Ortskern bekannt.
Was vornehmlich auch Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes, offensichtlich noch lernen muss, ist, dass nur solche Vorschläge in den Gemeinderat eingebracht werden, die auch ohne weitere hohe Schuldenaufnahmen finanzierbar sind. Und das trotz großzügigerer Zuwendungen aus Förderungsprogrammen, die natürlich auch Senden für seine Skateranlage bekommen hat. Ausgerechnet unter seiner Führung der Amtsgeschäfte seit 2020 hat sich die desolate Haushaltslage in Nottuln ergeben, und das trotz seiner zweimaligen eklatanten Erhöhungen der Grundsteuer B für Eigenheimbesitzer in den letzten beiden Jahren. Die anderen Baumbergegemeinden haben trotz wesentlich niedrigerer Grundsteuererhöhungen viel geringere Schulden (siehe hierzu auch unseren veröffentlichten Artikel https://www.nottuln-blickpunkt.de/768-zur-buergermeisterwahl-thema-finanzen-haushalt-hohe-pro-kopf-verschuldung.
Das Ergebnis unserer Plausibilitätsprüfung, dieses Mal einer Lärmimmissionsprognose (um die wir wiederum gebeten wurden), wird wir vor dem Ratsbeschluss veröffentlicht.
Mit besten Grüßen
Ihre Redaktion




