Ein großartiges Dorf wird vergoldet
Jetzt wurde dat kleine Duorp in‘t Mönsterland endgültig zum Golddorf ernannt, nachdem es bereits vorher auf Landesebene geschah. Zusammen mit sieben anderen Golddörfern konnten die Daruper Bürgerinnen und Bürger die Jury im Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" von ihrem ständigen Handeln und Wirken für eine gute dörfliche Zukunft überzeugen. Insgesamt musste die Bundesjury 25 Dörfer bereisen und bewerten.
Unsere Redaktion gratuliert allen Daruperinnen und Darupern ganz herzlich zu dieser Auszeichnung!
Für unsere Redaktion ist es ein guter Anlass, nachdem sie bereits vor Jahren im Printmagazin "Blickpunkt Westmünsterland" über dat kleine Duorp in't Mönsterland berichtete, auch in unserer Onlinezeitung "Nottulner Blickpunkt" einen passenden Artikel einzustellen. Der handelt von einem ganz besonders geschichtsträchtigen, sich mitten im Dorf befindenden Gebäude, welches passenderweise "Haus Darup" heißt.
Anreise
Wenn Sie von Nottuln aus, auf der Bundesstraße 525 oder auf dem danebenliegenden Fahrradweg nach Coesfeld fahren, erscheint nach circa drei Kilometern rechter Hand, das Dorf Darup. Seit 1975 ist es mit jetzt 2183 Einwohnern Ortsteil der Gemeinde Nottuln. An der ersten beampelten Kreuzung fahren Sie bitte nicht geradeaus, sondern biegen rechts ab und folgen der Coesfelder Straße. Es lohnt sich, denn Sie finden hier ein charmantes Dorf mit vielen Sehenswürdigkeiten, das seine dorftypischen Eigenschaften und Strukturen bewahrt hat.
Außerdem hat Darup innovative und kreative Bürger, die es immer wieder verstehen, ihr Dorf lebendig zu gestalten und es mit vielen Projekten in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Das beeindruckte wohl ebenfall die Bundesjury. Reisen Sie übrigens mit dem PKW an, so können Sie direkt nach dem Rechtsabbiegen, auf dem großen Parkplatz vor Ort parken und sind nach einem kleinen Spaziergang mitten im Dorf angekommen. Weitere Parkplätze finden Sie innerorts auf den Parkstreifen oder auf dem Parkplatz vor der Kirche. Nicht weit davor liegt das Haus Darup mit seiner Hofanlage.
Haus Darup, jahrhundertealter Adelssitz und repräsentativer Amtssitz des ersten Landrates von Coesfeld
Wer an einem sonnigen Tag ein paar Schritte durch die großen Torpfeiler des Hofes Darup geht, der darf sich nicht wundern, wenn es ihm die Sprache verschlägt. Vor ihm liegt eine mächtige dreiflügelige Hofanlage. Rechterhand steht das eindrucksvolle Haus Darup, in dem heute die Mutter von Theo Struwe, Charlotte Struwe, wohnt. Ihr Sohn betreibt zusammen mit seiner Frau Vera den landwirtschaftlichen Betrieb. 1939 hatten seine Eltern die Hofanlage erworben. Dahinter liegen das anheimelnde Taubenhäuschen und die Hofanlage mit Pferdeställen sowie ein Gebäudetrakt für die Unterbringung von Landmaschinen. Linkerhand befindet sich das geschmackvolle Wohngebäude der jungen Familie Struwe, die es geduldig hinnimmt, wenn Besucher des Dorfes einen kurzen Blick in die Hofanlage werfen und ein Foto machen.
Geschichtlicher Rückblick
Das Haus Darup ist untrennbar mit dem Adelsgeschlecht derer von Bönninghausen verbunden. Es hat eine lange Geschichte, die ich Ihnen verkürzt näherbringen möchte: Bernhard von Dodorpe (später Darup) war der erste Eigentümer von Haus Darup. Ab dem 15. Jahrhundert fand ein häufiger Eigentümerwechsel statt, bis schließlich 1714 die Witwe Sybilla von Gahlen den Witwer Generalmajor Casper Lothar Diedrich von Bönninghausen aus Esloe-Bremscheid in der Kirche zu Darup heiratete. Aus der gut 200 Jahre anhaltenden Ära der von Bönninghausen ging ihr berühmtester Vertreter Clemens Franz Maria von Bönninghausen hervor, ein Universalgenie, wie sich später herausstellen sollte. Im Jahre 1815 ordnete sich Europa durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses neu und Westfalen kam zum Königreich Preußen.
Clemens von Bönnighausen, erster Landrat vom Kreis Coesfeld
In diesem Zusammenhang bildete sich auch der Kreis Coesfeld neu und Clemens von Bönninghausen wurde 1816 erster Landrat mit Amtssitz im Haus Darup. Bereits 1822 wurde er zum Generalkommissar des Katasters für das Rheinland und Westfalen befördert. 1826 übernahm er die Leitung des Botanischen Gartens in Münster und kurz danach die Leitung der botanischen Exkursion an der chirurgischen Lehranstalt zu Münster.
International anerkannter Homöopath
Seine späte Passion fand er nach einer ernsthaften Erkrankung in der Homöopathie. Er gilt heute noch als Wegbereiter dieses Heilverfahrens. Die Büste am Hofeingang wurde maßgeblich durch die Volksbank Nottuln und durch die Kreissparkassenstiftung Westmünsterland gefördert. Am 18. Mai 2014, dem Tag des Denkmals, wurde die Büste durch Lothar Freiherr von Bönninghausen, Ururenkel des Clemens von Bönninghausen, feierlich enthüllt. Sie stammt aus der Glockengießerei in Gescher. Das Modell dazu fertigte der Künstler Burkhard Hoppe aus Coesfeld an. Dem studierten und promovierten Juristen Clemens Franz Maria Freiherr von Bönninghausen, geb. am 12. März 1785 auf Gut Herinckhave bei Tubbergen in den Niederlanden, wurden viele Ehrungen zuteil. Er wurde nicht nur zum ersten Landrat in Coesfeld ernannt, sondern erlangte auch in seiner späteren Tätigkeit als Homöopath internationale Anerkennung. Die Universität zu Cleveland (Ohio, USA) verlieh ihm 1854 die Ehrendoktorwürde. Selbst heute noch gehören seine Fachbücher zu den Grundlagen der Homöopathie. Seine berühmtesten Patientinnen waren die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff und die französische Kaiserin Eugenie de Montijo, Ehefrau von Kaiser Napoleon Bonaparte III. Dieser ernannte ihn auch 1861 zum Ritter der französischen Ehrenlegion. Doch seiner Leidenschaft als Landwirt auf seiner Hofanlage Haus Darup blieb Bönninghausen Zeit seines Lebens treu. Clemens von Bönninghausen, verstarb am 25. Januar 1864 in Münster.
Die Hofanlage Haus Darup heute
Die Hofanlage wird heute noch als landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb von der Familie Struwe genutzt. Auf den Feldern wird größtenteils Getreide, Mais und Zuckerrüben angebaut. Außerdem wird die Schweinemast betrieben. Natürlich gibt es, wie es sich im Münsterland gehört, auch Pferde auf dem Hof. Wenn sie nicht auf der Weide stehen oder geritten werden, sind sie in großen Boxen untergebracht. Ein angenehmer, typischer Geruch, stieg mir in die Nase, als ich den Pferdestall betrat. Zwei junge Reiterinnen waren eifrig mit der Fütterung und der Pflege ihrer Pferde beschäftigt, die zufrieden schnaubten.
Ein märchenhaftes Geflügelhaus
Das aufwendig gestaltete Geflügelhaus steht neben der Gräfte. In der unteren Etage hatten Gänse und Enten, in der mittleren Hühner, und in der oberen Tauben ihr Zuhause. Nie hätte ich vermutet, dass unsere gefiederten Freunde einmal so edel untergebracht waren. Mit seinem Türmchen hat es was Märchenhaftes an sich, und es hätte mich damals sicherlich nicht gewundert, wenn eine herausfliegende weiße Taube sich plötzlich in eine wunderhübsche Prinzessin verwandelt hätte.
Kreative Bürger mit vielen Ideen: Walk of Memories in Darup
Ein Teil der Kosten für die Bronzebüste von Bönninghausen wurde mit dem Verkauf vieler Messingsterne finanziert. Darüber hinaus konnten Daruper Bürger, Familien, Gemeinschaften, Vereine und Unternehmen einen Stern erwerben und darauf den eigenen Namen oder einen Namen ihrer Wahl und das Datum eines Ereignisses eingravieren lassen. Sie finden die großen und kleinen Sterne auf dem „Weg der Erinnerungen“ von der Kirchentreppe bis zur Büste. Das Wappen derer von Bönninghausen symbolisiert weiter die Geschichte des Hauses Darup. Es ist nach wie vor eines der beeindruckendsten Gebäude in Darup.
Doch gibt es noch einige andere, bemerkenswerte im Dorf, wie die Kirche Ss. Fabian und Sebastian, die alte Diele, ehemals ältestes Gasthaus im Münsterland, den AWO-Bildungshof, die Hofanlage Schulze-Darup, das Gut Feismann und den alten Hof Schoppmann mit seinem Naturschutzzentrum. Das ist ein beeindruckendes Pfund an historischen Gebäuden, die auch heute noch vielseitig genutzt werden. Die Empfehlung unserer Redaktion lautet: "Besuchen Sie das hübsche Golddorf doch einmal und schauen Sie es sich zusammen mit Ihrer Familie an, vielleicht auch zur Daruper Landpartie.
Dieses seit Jahren etablierte Kunst- und Kulturwochenende in Darup findet jährlich am letzten Augustwochenende statt. Das mehrfach preisgekrönte Golddorf verwandelt sich in ein großes Freiluft-Atelier, in dem Künstler an und in Höfen und Gärten ausstellen. Ene allseits beliebte Veranstaltung die eine Magnetwirkung auf das gesamte Münsterland und darüber hinaus hat. Mehr erfahren über die Daruper Landpartie, die am Samstag, dem 28. Juli, von 13 -18 Uhr und am Sonntag, dem 29. Juli, von 11-18 Uhr stattfindet, erfahren Sie unter: https://www.daruper-landpartie.de/. Wir wünschen Ihnen einen elebnisreichen, angenehmen Aufenthalt.
Mit besten Grüßen und Guёt gaon, wi sait us
Ihre Redaktion
Karin und Jürgen Gerhard





