Rabenvögel demonstrieren auf geschädigter Riesenulme vor dem Rathaus
Dass die Ulme nicht sehr gesund aussieht, wird jedem, der sie sich vor Ort anschaut, deutlich. Wie die Westfälischen Nachrichten (WN) allerdings dazu kommen, in ihrem heutigen Artikel zu schreiben, dass die Ulme kahl und dürr dasteht und nicht ein einziges Blatt hat, ist nicht nachvollziehbar.
Erstens ist die Ulme nicht dürr, sondern hat einen beachtlichen Stamm, und zweitens hat sie noch mehrere tausend grüne Blätter an ihrem Astwerk, ganz zu schweigen von der überaus beachtlichen Höhe des Baums; so die Fakten (siehe auch Fotos in der Bildergalerie).
Die Ulme lebt also noch, sie ist nicht abgestorben, nur weil ihre Baumkrone lichter geworden ist. Ihre grünen Blätter zeugen davon, wenn auch die WN weiterhin in der Themenbezeichnung über Leserbriefen konstant von der abgestorbenen Ulme spricht.
Unterscheidungsmerkmale der drei europäischen Ulmenarten
Ulmen zählen übrigens zu den gefährdetsten Baumarten Mitteleuropas. In einigen Regionen sind sie sogar unter Schutz gestellt. Hierzu gehören die Bergulme, die Feldulme und die Flatterulme, die voneinander nicht so ganz einfach zu unterscheiden sind, insbesondere jetzt, Anfang August, wo sie keine Blüten oder Fruchtstände mehr tragen. Doch gibt es auch in der jetzigen Jahreszeit besonders typische Merkmale, die bei den drei Arten wie folgt aussehen:
Bergulme: Gegenüber der Feld- oder der Flatterulme hat sie flügelartige Verwachsungen an den Ästen, sogenannte Korkleisten. Zudem hat sie sehr kurze Blattstiele. Ihre Blattnerven gabeln sich und ihre Blattspitze zeigt mehrere Nebenspitzen. Die Blattoberfläche selbst ist rau.
Feldulme: Hingegen hat die Feldulme keinen Blattstiel und nur eine einzige Spitze. Zwar gabeln sich ihre Blattnerven ebenfalls, ihre Blattoberfläche ist aber glatt.
Flatterulme: Hingegen hat die Flatterulme wieder einen Blattstiel. Ihre Blattoberfläche ist wie bei der Bergulme rau und sie hat auch nur eine Blattspitze, aber ihre Blattnerven gabeln sich in der Regel nicht. Die vom Hauptnerv abzweigenden Seitennerven, verlaufen meist gerade und ungeteilt, bis an die Blattränder, im Gegensatz zu den anderen beiden Ulmenarten.
Um welche heimische Ulme handelt es sich?
Da bisher von der hiesigen Presse die Ulme nur ganz allgemein angesprochen wurde, werden sich unsere Redakteure die hiesige Ulme genauer anschauen, um ihre Art zu bestimmen. Die Unterscheidung ist wichtig, weil das Ulmensterben (Holländische Ulmenkrankheit) durch den Pilz Ophiostoma novo-ulmi auf unterschiedliche Resistenzen der drei hiesigen Ulmenarten trifft. So zeigt sich die einheimische Flatterulme (Ulmus laevis) deutlich widerstandsfähiger und wird daher von den Ulmensplint-Käfern, die diese Pilzkrankheit übertragen, viel seltener befallen. Leider verstopft der Pilz die Wasserleitungsbahnen und der Baum verdurstet.
Aufgrund der angeführten Blattstruktur und der Stammstruktur eingangs in die Erde, vermuten wir, dass es sich bei der Rathausulme um die widerstandsfähige Flatterulme handelt (siehe auch erstes Bild in der anschließenden Bildergalerie)! Sie ist das einzige heimische Gehölz, das in Ansätzen Brettwurzeln ausbilden kann. Eine genaue Überprüfung wird Sicherheit geben.
Eines kann aber auch schon jetzt gesagt werden: Die kürzlich maschinell durchgeführten Abgrabungen für die Anlegung eines Staudenbeetes, fast direkt neben dem Ulmenstamm, waren der um ihr Überleben kämpfenden Ulme absolut nicht dienlich, auch wenn sie ein Tiefwurzler ist.
Erkennen des Pilzbefalls/Wasserbedarf
Übrigens werden die ersten Anzeichen des Pilzbefalls an einer Ulme sichtbar, wenn im Sommer ihre Blätter welken, sich vergilben, einrollen und am Ast verbleiben. Später gibt es weitere Anzeichen.
Allerdings haben Ulmen gerade in der jetzigen, lang anhaltenden, heißen Trockenzeit einen erhöhten Wasserbedarf, insbesondere ältere Bäume, wie die vor dem Rathaus stehende Ulme. Obdem die Gemeinde-Verwaltung bisher nachgekommen ist, bleibt zumindest fraglich. Einige andere, ältere Bäume in der Gemeinde zeigen ebenfalls Trockenschäden.
Ergänzung folgt!
Mit besten Grüßen
Ihre Redaktion
Karin und Jürgen Gerhard



